WHO DESERVES OUR SYMPATHY?  VICTIMS OF TERRORISM AND SOCIETY IN THE MODERN AGE

WEM GEBÜHRT UNSER MITLEID?  TERRORISMUSOPFER UND GESELLSCHAFT IN DER MODERNE

WHO DESERVES OUR SYMPATHY?  VICTIMS OF TERRORISM AND SOCIETY IN THE MODERN AGE

WEM GEBÜHRT UNSER MITLEID?  TERRORISMUSOPFER UND GESELLSCHAFT IN DER MODERNE

WGUM002 – Eine Geschichte der Gefühle

Was haben politische Morde im Zarenreich mit dem 11. September zu tun? Gemeinsam mit der Osteuropahistorikerin Anke Hilbrenner sprechen Petra Terhoeven und Hannah Rudolph über eine Gefühlsgeschichte des Terrorismus und die Rolle der Opfer.


Shownotes

00:00:36 Einleitung

00:01:36 Vorstellung

00:02:56 Terrorismus im russischen Reich vor 1917

  • Anke Hilbrenner, Gewalt als Sprache der Straße: Terrorismus im Russischen Reich vor 1917 [Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europas 89], Stuttgart 2021.
  • Dies., Terrorismus als „russische Methode“ oder die Peripherie als Ort der Gewalt? in: Martin Aust (Hg.) Globalisierung imperial und sozialistisch. Russland und die Sowjetunion in der Globalgeschichte 1851-1991, Frankfurt/New York 2013, S. 84-107.
  • Carola Dietze, Die Erfindung des Terrorismus in Europa, Russland und den USA 1858–1866, Hamburg 2016.

00:05:49 Die Opfer des 11. September 2001

  • Hannah Rudolph (Twitter @destotrotz)
  • Hannah Rudolph, ,A symbol of national strength‘. Die Witwen des 11. Septembers und die US-Medien, unveröff. M.A., Göttingen 2019.

00:06:44 Eine Geschichte der Gefühle

00:07:32  Ein bisschen Theorie: Emotional Studies            

  • Uffa Jensen, Einleitung, in: Zornpolitik, Berlin 2017, S. 7–26.
  • William M. Reddy, The making of romantic love. Longing and sexuality in Europe, South Asia, and Japan, 900 – 1200, Chicago 2012.

00:09:17 Probleme in der Praxis

00:10:28 Die Gefühle des Terrorismus

  • Peter Waldmann, Terrorismus. Provokation der Macht, 3., akt. und überarb. Aufl., Hamburg 2011, S. 14.
  • Versprecher bei 00:11:55 –  Gemeint ist nicht Alexander I, sondern Alexander II.

00:12:18 Emotives

  • William Reddy, Emotional Liberty: Politics and History in the Anthropology of Emotions., in: Cultural Anthropology 14, 1999,  S. 256-288.
  • William Reddy, Against Constructionism: The Historical Ethnography of Emotions., in: Current Anthropology 38, 1997, S. 327-351.
  • Barbara Rosenwein, Worrying about Emotions in History, in: The American Historical Review 107, H. 3, 2002, S. 821–845.

00:13:28 Die Rache der Wera Sassulitch

  • Siehe u.a. Stephan Rindlisbacher, Leben für die Sache. Vera Figner, Vera Zasulic und das radikale Milieu im späten Zarenreich (= Forschungen zur osteuropäischen Geschichte 80), Wiesbaden 2014.

00:15:53 Die Wahl der Opfer

00:17:40 100 Jahre später: 9/11

00:19:37  Gefühlsgemeinschaften

  • Der Ärger über Chomsky entzündete sich an einer Formulierung des Intellektuellen, der die Anschläge mit dem Sprichwort „chicken coming home to roost“ als Konsequenz der US-amerikanischen Politik beschrieb. Siehe Alyson Cole, The Cult of True Victimhood, From the War on Welfare to the War on Terror, Stanford 2007, S. 149.

00:21:28 – Performative Gefühlsbekundungen

  • Erika Doss, Spontaneous memorials and contemporary modes of mourning in America, in: Material Religion. The Journal of Objects, Art and Belief 2, 2006, H. 3, S. 294318.
  • Sammlung und Archiv spontaner Gedenkstätten – Network of spontaneous Memorials

00:24:09 Heldenfiguren: Der Retter Komisarov

  • Claudia Verhoeven, The odd man Karakozov : Imperial Russia, modernity, and the birth of terrorism, Ithaca 2009.

00:25:31                   Komisarov

“What we have to remember here is that Alexander II. was known as the “Zar Liberator”. So he was the Zar who had abolished serfdom after a century of talking about that this was necessary but also very complicated. So in a sense Zar Alexander stood as the liberator of the people, right.  Now what was important about this myth around Komisarov was that he was sort of a hat-making apprentice of peasant background. Now in fact as far as we know he really did not safe the Zar from Karakorsovs bullet. There was another reason why Karakorsov missed. Either because his pistol was not very good or there was a yell at the crowd but by all accounts, it was not because Komisarov pushed Karakorsov. Nevertheless, this was the story that was told. So a man of the people had now saved the Zar who had you know himself five years earlier liberated the people. So there was something very symmetrical and pleasant about this myth” „Was wir uns hier vor Augen halten müssen, ist, dass Alexander II. als der „Zar-Befreier“ bekannt war. Er war der Zar, der die Leibeigenschaft abgeschafft hatte, nachdem ein Jahrhundert lang darüber geredet worden war, dass dies notwendig, aber auch sehr kompliziert sei. In gewissem Sinne galt also Zar Alexander als „Befreier des Volkes“.  Was nun wesentlich an diesem Mythos um Komisarov war, ist, dass er eine Art Hutmacherlehrling mit bäuerlichem Hintergrund war. Nun, soweit wir wissen, hat er den Zar nicht wirklich vor Karakorsovs Kugel gerettet. Es gab einen anderen Grund, warum Karakorsov nicht traf. Entweder weil seine Pistole nicht sehr gut war oder es gab einen Aufschrei in der Menge, aber nach allem, was man hört, lag es nicht daran, dass Komisarov Karakorsov gestoßen hatte. Trotzdem war dies die Geschichte, die erzählt wurde. Ein Mann des Volkes hatte also nun den Zar gerettet, der bekanntlich selbst fünf Jahre zuvor das Volk befreit hatte. Dieser Mythos hatte also etwas sehr Symmetrisches und Gefälliges an sich.“

00:27:16

„Instantly almost, this absolute nobody who in fact had done nothing becomes an Empire-wide hero. He gets heaps of money; they give him a new job. But the problem with this guy is that not only had he not done anything, he was also not a very remarkable personage, so in fact he.. and he was a drinker…  the fame immediately gets to his head and he misbehaves in the most incredible fashion to the point about a year later it has become so uncomfortable – his behavior – that they essentially ship him out. He ends up in the army and the last thing we know about him is that eventually in a drunken mood he shoots at his wife and himself and that’s it. „Fast schlagartig wird dieser absolute Niemand, der eigentlich nichts getan hatte, zu einem reichsweiten Helden. Er bekommt haufenweise Geld. Sie geben ihm einen neuen Job. aber das Problem mit diesem Kerl ist, dass er nicht nur nichts getan hatte, er war auch keine sehr bemerkenswerte Persönlichkeit, so dass er… und er war ein Trinker… der Ruhm steigt ihm sofort zu Kopf und er benimmt sich auf die unglaublichste Art und Weise bis zu dem Punkt: Etwa ein Jahr später ist sein Verhalten so unangenehm geworden, dass sie ihn im Grunde rauswerfen. Er landet in der Armee und das letzte, was wir über ihn wissen, ist, dass er irgendwann in einer betrunkenen Stimmung auf seine Frau und sich selbst schießt und das war’s.

00:28:13 9/11 und die Helden des Flug 93

  • Alexander Riley, Angel patriots. The crash of United Flight 93 and the myth of America, New York 2015.

00:30:43 Die Heldenwitwe Lisa Beamer

00:31:50 Heroischer Terrorismus

00:34:20 Staatliche Reaktionen

“Today our fellow citizens, our way of life, our very freedom came under attack” „Heute wurden unsere Mitbürger, unsere Lebensweise und unsere Freiheit selbst angegriffen“
“On September the 11th, enemies of freedom committed an act of war against our country” „Am 11. September haben Feinde der Freiheit eine Kriegsakt gegen unser Land begangen“
“A world were freedom itself is under attack” „Eine Welt, in der die Freiheit selbst angegriffen wird“
“Americans do not yet have the distance of history but our responsibility to history is already clear. To answer these attacks and rid the world of evil” „Die Amerikaner haben noch nicht den Abstand der Geschichte, aber unsere Verantwortung gegenüber der Geschichte ist bereits klar: Diese Angriffe zu beantworten und die Welt vom Bösen zu befreien“

00:38:54 Trauergemeinschaften

00:39:54 Die Witwe Elisaweta Feodorowna

  •  Ebd.

00:44:48 Die Witwen des 11. September

  • Susan Hagen/ Mary Carouba, Women at Ground Zero. Stories of courage and compassion, 2002.

00:51:21 Sichtbarkeit und Opferhierarchien

  • Judith Butler, Precarious Life. The Powers of Mourning and Violence, London 2006.
  • Judith Butler, Frames of War. When is Life Grievable, London 2009.

00:53:37 Materielle Entschädigung

00:55:30 Aufmerksamkeit als zweischneidiges Schwert

00:56:19 Witwenkarrieren und political widowhood

00:57:23 Die Jersey Girls

57:50 Kristen Breitweiser

  • Kristen Breitweiser in der Radioshow „The Connection“, 17.2.2004 (Quelle auf Anfrage):
So out of that frustration of not getting answers, not being able to have discovery, cross-examination, testimony, depositions taken, we said “We need to get answers to this because someone has to fix these problems.” So we started saying „Lets get a commission. Let’s get an independent commission that can look into this. A Nonpolitical, independent, transparent commission to investigate these problems, to hold people accountable, to fix the problems so in the next attack – Because you have to remember in the days after the attack, we were told that it was going to happen again. We are still being told that. We were left to raise these children alone and we wanted to know that we were safe living here and that – god forbid – no one else would have to walk in  or shoes.” „Aus dieser Frustration heraus, keine Antworten zu bekommen, keine Offenlegung, Kreuzverhöre, Zeugenaussagen, Einlassungen zu bekommen, sagten wir: „Wir müssen Antworten zu all dem bekommen, denn jemand muss diese Probleme lösen.“ Also begannen wir zu sagen: „Lasst uns eine Kommission einrichten. Lasst uns eine unabhängige Kommission einrichten, die das untersucht. Eine unpolitische, unabhängige, transparente Kommission, die diese Probleme untersucht, die Leute zur Verantwortung zieht, die Probleme behebt, damit beim nächsten Angriff – denn Sie müssen sich vor Augen führen, dass uns in den Tagen nach dem Angriff gesagt wurde, dass es wieder passieren würde. Das wird uns immer noch gesagt. Wir wurden zurückgelassen, diese Kinder alleine großzuziehen, und wir wollten uns versichern, dass wir hier sicher leben und dass – Gott bewahre – niemand sonst unsere Erfahrung machen muss.“

 

00:58:11 Mindy Kleinberg über die Medienöffentlichkeit (Quelle auf Anfrage)

„ You know it was my private pain and my private story. And I really did not want to share that but we made a conscious decision that we would start to say to them [the media] okay, well, I will tell you about me personally if you talk about the fact that there is not an investigation” „ Wissen Sie, es war mein privater Schmerz und meine private Geschichte. Und ich wollte das wirklich nicht teilen, aber wir trafen eine bewusste Entscheidung, dass wir anfangen würden, ihnen [den Medien] zu sagen, okay, nun, ich werde euch von mir persönlich erzählen, wenn ihr über die Tatsache sprecht, dass es keine Untersuchung gibt“
“To go on any show is not easy. But we needed the public pressure in order to make anything happen in Washington. I mean they need huge public pressure to move them.” „Es ist nicht einfach, in eine TV-Show zu gehen. Aber wir brauchten den öffentlichen Druck, um in Washington etwas zu bewirken. Ich meine, die brauchen dort enormen öffentlichen Druck, um sich zu bewegen.“

00:59:46 –  Politisierung 

  • Kristen Breitweiser, Wake-up Call. The Political Education of a 9/11 Widow, New York 2006.

01:00:57 Verlusterfahrung

01:02:37 Kristen Breitweisers Ring

01:04:13 Die Strategie der Jersey Girls

1:06:50 Negative Reaktionen

01:06:22 – Der Ann Coulter Skandal

  • Quelle auf Anfrage

01:10:12 Abschlussfazit

01:12:00 Outro und Credits

  • Wir freuen uns über Feedback und Themenvorschläge unter wem-gebuehrt-unser-mitleid@uni-goettingen.de

 

 

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